Offener Brief an Gesundheitsminister Laumann zur Schließung der Frühgeborenen Station

An den

Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales

des Landes Nordrhein-Westfalen

Herrn Karl-Josef Laumann

Fürstenwall 25

40219 Düsseldorf

Auswirkungen der Neustrukturierung der Frühgeborenenversorgung auf den Klinikstandort Velbert

Sehr geehrter Herr Minister Laumann,

die Nachricht von der beabsichtigten Schließung der neonatologischen Intensivstation im Helios Klinikum Niederberg hat uns sehr betroffen gemacht. Damit trifft uns der im Jahr 2013 durch die damalige rot-grüne Landesregierung beschlossene „neue“ Krankenhausrahmenplan mit voller Wucht. Denn seit mehr als dreißig Jahren wird am Standort Velbert eine Versorgung von Schwangeren und Frühgeborenen, die deutlich über eine geburtshilfliche Regelversorgung hinaus geht, angeboten. Dabei wurden stets alle Qualitätsanforderungen erfüllt und auch bescheinigt.

Als Verantwortliche in der Kommunalpolitik waren wir immer sehr stolz auf die Arbeit des Perinatalzentrums und die Kinder-Intensivstation, die sich mit großem Engagement um die kleinsten Frühchen gekümmert haben. Eltern extrem unreifer Frühgeborener konnten sicher immer sicher sein, im Velberter Klinikum Niederberg eine optimale Behandlungsqualität und beste Chancen für die spätere Entwicklung Ihres Kindes zu bekommen. Damit hat sich Velbert als einziger Klinikstandort im Kreis Mettmann mit einem solchen Angebot einen sehr guten Namen gemacht, der weit über die Kreisgrenze hinaus reicht. Aber nicht nur aufgrund der guten Arbeit vor Ort, sondern auch aufgrund anderer wichtiger Rahmenbedingungen sind wir der Auffassung, dass es nicht zu einer Aufgabe der Frühgeborenen-Intensivstation kommen darf.

Zunächst darf ich an den vollzogenen Verkauf des städtischen Klinikums an die Helios Kliniken im Jahr 2015 erinnern. Mit dem damaligen Beschluss ist es den Städten Heiligenhaus und Velbert gelungen, das größte Krankenhaus im Kreis Mettmann am jetzigen Standort zu erhalten, denn die beiden Städte hätten den notwendigen Neubau nicht stemmen können. Die Übertragung auf den neuen Inhaber ging mit der Maßgabe einher, das medizinische Angebot nicht nur zu erhalten, sondern nachhaltig zu verbessern. Eine Schließung der „Vorzeigestation“ wäre daher vor diesem Hintergrund kaum vermittelbar, insbesondere auch wegen der baldigen Realisierung der Neubaupläne durch den neuen Träger. Aus unserer Sicht würde es gerade Sinn machen, bei einem solch umfangreichen Neubauvorhaben auf die erfolgreichen Bereiche zu setzen und damit das ohnehin schon Gute noch besser zu machen.

Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auch auf den hebammengeleiteten Kreißsaal, der bei der Gründung im Jahr 2008 einer der ersten seiner Art war. Insgesamt bietet der Standort Velbert traditionell damit ein umfangreiches Versorgungspaket rund um die Geburt an.

Wir sind uns bewusst, sehr geehrter Herr Laumann, dass der eingeleitete Strukturwandel in der stationären Versorgung zugunsten weniger „Superkrankenhäuser“ wirtschaftlich betrachtet berechtigt sein mag, gleichwohl möchten wir aber noch einmal unterstreichen, dass jedes regionale Krankenhaus Teil einer über viele Jahre gewachsenen Infrastruktur ist und im Grundgesetz als staatliche Daseinsvorsorge vor Ort verankert ist. Wenn solchen Häusern dann eine der Kernkompetenzen entzogen wird, geht damit eine Verschlechterung der finanziellen Lage einher. Die finanziellen Folgewirkungen für das Haus, wenn mit der Umsetzung Ihres neuen zweistufigen Modells zur Versorgung von Schwangeren und Früh- und Neugeborenen, Velbert nur noch die geburtshilfliche Grundversorgung anbieten kann, kann ich persönlich nur erahnen.

Zuletzt möchte ich noch auf die Situation eingehen, in der wir uns gerade befinden. An dieser Stelle verweise ich auf eine aktuelle Aussage der Bertelsmann Stiftung in Bezug auf die aktuelle Corona-Krise, wonach wir uns in einer Situation befinden, in der sowohl Wissenschaft wie Politik von Woche zu Woche agieren und Schlussfolgerungen für die künftige Krankenhausstruktur daher noch nicht abgeleitet werden können. Erst im Rückblick werde deutlich, welche Konsequenzen aus der Corona-Pandemie für die (Neu-)Ausrichtung unserer Versorgungslandschaft, ambulant wie stationär, zu ziehen seien. Ich bin mir bewusst, dass diese Aussage sich in erster Linie auf erkrankte Erwachsene bezieht und weniger auf die „Frühchen“ abzielt. Dennoch bin ich der Auffassung, dass genau diese Krise uns veranlassen sollte, die bisherigen, von SPD und Grünen angestoßenen Maßnahmen zur Umsetzung der Krankenhausstrukturreform zunächst auszusetzen und zu gegebener Zeit in Gänze kritisch zu überprüfen.

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen

Karsten Schneider

Fraktionsvorsitzender

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